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LV-Typ: Fortbildung

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Allgemeine Angaben
Du musst dich wie die Mittelschicht verhalten - warum eigentlich? SOZIALE KLASSE/SPRACHE 
4021IKL506
Fortbildung
3
Wintersemester 2021
Fortbildung (IBS)
(Kontakt)
Details
Zuordnungen: 14 
Angaben zur Abhaltung
Dieser Workshop verbindet Erkenntnisse aus der Soziologie von Bourdieu mit Beispielen für kulturelle Produktion im Bildungskontext. Die Etablierung einer universellen Vorstellung vom Gebildetsein durch Schulbildung ist gewissermaßen gesetzt: Hierbei handelt es sich um einen kulturellen Prozess, in dem bestimmten Wissensformen mehr Bedeutung bzw. Relevanz zugeschrieben wird als anderen. Dies schafft eine Unterscheidung zwischen „gebildeten“ (educated) und „ungebildeten“ (uneducated) Personen. Diese „kulturelle Produktion der gebildeten Person“ beschreiben Holland und Levinson in ihrem Buch „The Cultural Production of the Educated Person“ (1996). Zur Illustration werden Ethnographien des Schulwesens in Nepal und im Amazonasgebiet herangezogen, um zu zeigen, 1) was es lokal bedeutet, als „gebildet“ und/oder „geschult“ angesehen zu werden, und 2) wie Ideale von „gebildeten Personen“ global variieren können.

Im gegenwärtigen Schulbetrieb gilt als Um und Auf des Gebildetseins die Beherrschung der Bildungssprache. Das Versprechen ist: Wer Deutsch den grammatikalischen Regeln entsprechend richtig spricht, erhält das Etikett „Zur Bildung fähig“. Dass dieses Versprechen aber mit einer Teststrategie einhergeht, an der mehrsprachige Schüler*innen notwendig scheitern, macht das redliche Ansinnen, mehrsprachigen Schüler*innen die Schulumgangssprache Deutsch beizubringen, zu einer die Mittelschicht begünstigenden Selektionsstrategie.

Bildungsanthropologisch betrachtet, ist eine Frage laufender kultureller Prozesse des Produzierens, Aufrechterhaltens, Neuzeichnens oder Überschreitens von symbolischen Grenzen, z.B. von Nachbarschaft, Gemeinschaft, Ethnizität, Klasse, Nation oder anderem damit verbunden. Es zeigt sich, welchen kognitiven Aufwand, Menschen leisten, um ihre wahrgenommenen Unterschiede zu markieren oder auch zu verwischen. Es ist ersichtlich, wie Menschen Grenzen zwischen „Ihresgleichen“ und den „Anderen“ Grenzen mit „symbolischen Zäunen“ (Gullestad 1986) ziehen, d.h. Kategorien schaffen, die im Alltag wirksam werden. Dies zeigt sich im Bildungskontext durch den Gebrauch von Sprache(n).

Diese Fortbildung ist Teil der Fortbildungsserie „Niemand ist eine Insel. Impulse aus der Bildungsanthropologie für starke und inklusive Bildungsinstitutionen“.

„Niemand ist eine Insel, in sich ganz“, schreibt der englische Schriftsteller John Donne (1572-1631) und bringt damit zum Ausdruck, dass kein Mensch für sich sein kann. Wir sind voneinander abhängig, um uns zu entwickeln. Wir brauchen einander, um voneinander zu lernen und miteinander zu leben.

Kindergarten und Schule als Bildungseinrichtungen sind für Kinder und Jugendliche die ersten Orte, wo sie sich abseits der eigenen Familie in einer Gemeinschaft ausprobieren (und ausprobiert werden). Wie zahlreiche Vorfälle belegen, werden aber nicht immer alle Kinder und Jugendliche an diesen ersten Orten der Begegnung akzeptiert. Manche werden sogar offen beleidigt oder gar ausgeschlossen. Es kommt zu strukturellen und offenen Diskriminierungen in Kindergarten und Schule.


Ihre Ansprechperson für diese Veranstaltung:
Nune Tahmasian, BEd., BA, MA: Nune TAHMASIAN (Assistenz der Bereichskoordination)

Sollten Sie sich trotz Fixplatzzusage von dieser Veranstaltung abmelden wollen, senden Sie bitte Ihre Abmeldung (Veranstaltungsnummer, Name) an die angegebene Mailadresse.
keine
Im Zuge der Fortbildung werden die Teilnehmer*innen mit Werten und Prinzipien einzelner Themen der Sustainable Development Goals vertraut gemacht: 4. Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern und 10. Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern, vgl. https://www.bundeskanzleramt.gv.at/themen/nachhaltige-entwicklung-agenda-2030.html

Die Teilnehmer*innen erkennen Formen institutioneller Diskriminierung in Bildungseinrichtungen.

Die Teilnehmer*innen erfahren in Bezug auf ihre Professionalisierung Impulse zur diskriminierungskritischen Erziehung von Kindern und Jugendlichen.

Die Teilnehmer*innen lernen im Zusammenhang mit institutioneller Diskriminierung Ansätze der Bildungsanthropologie und Bildungswissenschaft kennen, um die Schulentwicklung am eigenen Schulstandort voranzutreiben.

Die Teilnehmer*innen verstehen auf welche Klassifizierungssysteme sie zurückgreifen, um das Verhalten und Lernen von Kindern zu interpretieren, und wie ihr Gebrauch bestimmter Kategorien die Welt kulturell prägt.

Die Teilnehmer*innen werden über sich selbst als "gebildete Personen" (Holland & Lewinson 1996) nachdenken, d.h. darüber, wie sie sich dadurch in lokalen und globalen Bildungshierarchien positionieren und wie diese Hierarchien produziert und aufrechterhalten werden.
Deutsch
4021IKL506 Du musst dich wie die Mittelschicht verhalten - warum eigentlich? SOZIALE KLASSE/SPRACHE (3UE FB, WS 2021/22)
Gruppe
Tag Datum von bis Ort Ereignis Termintyp Anmerkung
 
Standardgruppe
Mo
14.02.202214:0016:35Arbeiterkammer WienAbhaltungfix
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Angaben zur Prüfung
siehe Stellung im Studienplan
Details
immanenter Prüfungscharakter
Zusatzinformationen