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LH23ETVOLM 20S 2SSt VO Legalität und Moralität   Hilfe Logo

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LV-Typ: Erstausbildung/Weiterbildung

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Allgemeine Angaben
Legalität und Moralität 
LH23ETVOLM
Vorlesung
2
Sommersemester 2020
Hochschullehrgang Ethik
(Kontakt)
Details
Angaben zur Abhaltung
Viele Juristinnen und Juristen neigen dazu, Recht auf der einen und alles, was Gerechtigkeitsfragen, Ethik bzw. Moral oder Politik betreffen könnte, möglichst strikt zu trennen. Dafür gibt es gute Gründe, doch scheint fraglich, ob eine solche Trennung durchzuhalten ist oder überhaupt Sinn machen kann. Immerhin entsteht Recht immer im Kontext bestimmter sozialer, kultureller, historischer Bedingungen und ist an mehr oder minder explizit gemachten moralischen bzw. ethischen Positionen (welchen Inhalts immer) orientiert. Dementsprechend vermieden ältere rechtspositivistische Positionen durchaus auch einen strikten Trennungsgedanken. Georg Jellinek etwa hielt eine grundlegende Unterscheidung von Recht und Ethik/Moral für unmöglich. Zugleich vermied er es allerdings, selbst ethisch-moralische Inhalte zu postulieren. Eher versuchte er pragmatisch, die soziale Welt nicht aus der des Rechts auszuklammern und definierte „Recht“ dementsprechend als das „ethische Minimum“, auf das man sich innerhalb einer Gesellschaft einigen könne. Im Blick auf große Teile des NS-Rechts scheint dies vielleicht diskussionswürdig, es wäre denn, man sähe den vorherrschenden ethisch-moralischen Status in Deutschland und Österreich während der 1930er- und 1940er-Jahre als katastrophal an.
Wie auch immer, die Vorstellungen davon, was moralisch bzw. ethisch wünschenswert sei, divergieren innerhalb menschlicher Gesellschaften – je heterogener und komplexer letztere sind, desto mehr. Metaregeln, nach denen über konfligierende Moralauffassungen entschieden werden könnte, fehlen in den meisten Fällen. Zudem sind ethisch-moralische Themen nicht selten stark emotional aufgeladen. Werden die damit verbundenen Probleme ungebrochen auf rechtliche Fragen und Verfahren appliziert, kann sich das in einer Sphäre als höchst problematisch erweisen, in der Entscheidungen getroffen und auch gewaltförmig durchgesetzt werden können. Daher, so ließe sich sagen, soll die Sphäre des Rechts auch einigermaßen verlässlich bleiben, wechselnden politischen und moralischen Konjunkturen enthoben.
Eine prononcierte Gegenposition vertrat etwa Carl Schmitt, der sinngemäß meinte, wer über Recht nachdenke, müsse immer auch dessen Entstehungsgründe im Rahmen politischer Machtausübung mitberücksichtigen. Generell argumentieren Naturrechtstheorien (im weitesten Sinn) mit einer inhärenten moralischen Basis für Recht. Allerdings sind sie hinsichtlich ihrer ethisch-moralischen Postulate sowie der daraus abgeleiteten Forderungen im Übrigen keinesfalls homogen. Sehr anschaulich lässt sich dies etwa anhand von Sophokles‘ „Antigone“ darstellen.
Umgekehrt ist wohl davon auszugehen, dass Recht, das von einer signifikanten Anzahl der Mitglieder einer Gesellschaft nicht als gerecht oder gar als ungerecht empfunden wird, früher oder später auf Akzeptanzprobleme stößt. Mit der Rede von Gerechtigkeit ist zugleich eine zentrale Frage ethisch-moralischer Art angesprochen. Dass es die Gerechtigkeit so wenig gibt wie die Ethik oder die Moral, macht die mit alledem verbundenen Ansprüche keineswegs irrelevant, im Gegenteil. Ein wichtiges Thema der Lehrveranstaltung wird sein, gerade die komplexen und zuweilen prekären Beziehungen und Interaktionsmodi zwischen den Sphären des Rechts und jenen ethischer bzw. moralischer Forderungen auszuloten und zu erörtern.
keine
Erarbeitung eines differenzierten und kritisch-reflexiven Zugangs zum Verhältnis von Recht, Gerechtigkeit, Politik und Moral/Ethik, wobei diese Begriffe für sich genommen ebenso wie in ihrer Beziehung zueinander anhand konkreter Fragestellungen erörtert werden. Zugleich Einführung in eine Reihe zentraler Themen Politischer Theorie und Rechtsphilosophie im Kontext von Ethik- bzw. Moraltheorien. Methodisch-systematische Erschließung der relevanten Fragestellungen primär anhand konkreter Texte insbesondere mittels begriffskritischer und begriffsgeschichtlicher Verfahren
Deutsch

Methoden:

· Vortrag

· Diskussion

· Diskursive Erörterung von Filmausschnitten und gemeinsam gelesenen Texten (diese werden den TeilnehmerInnen zur Verfügung gestellt).

· Abschließende mündliche Prüfungen.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

· Eine eigenständige, reflektierte Beschäftigung mit den Themen der LV soll im Rahmen der Diskussionsbeiträge sowie im Rahmen des Abschlusstests erkennbar sein.
Details
Für die Anmeldung zur Teilnahme müssen Sie sich in PH-Online als Studierende/r identifizieren.
Angaben zur Prüfung
siehe Stellung im Studienplan
Schriftlich
Details
mindestens 3
Zusatzinformationen
Keine ! Pflichtlektüre - für LV von Dr. Donhauser

Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus (9. Aufl. München 2003).
Butler, Judith, Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen (Frankfurt am Main 2011).
Degener, Ursula (Hg.): Die Neuverhandlung sozialer Gerechtigkeit. Feministische Analysen und Perspektiven (Wiesbaden 2006).
Donhauser, Gerhard: Türhüter. Wie Recht wird, was es ist (Wien 2013).
Donhauser, Gerhard: Wer hat Recht? Einführung in die Rechtsphilosophie (Wien 2015).
Donhauser, Gerhard: Das kälteste aller kalten Ungeheuer. Vom Staat und seinen Krisen (Wien 2019).
Dworkin, Ronald: Gerechtigkeit für Igel. Aus dem Amerikan. von Robin Celikates u. Eva Engels (Frankfurt am Main 2012).
Fögen, Marie Theres: Das Lied vom Gesetz (München 2007).
Gross, Raphael: Anständig geblieben. Nationalsozialistische Moral (Frankfurt am Main 2010).
Holzleithner, Elisabeth: Gerechtigkeit (Wien 2009).
Jellinek, Georg: Die sozialethische Bedeutung von Recht, Unrecht und Strafe (2. Aufl. Berlin 1908).
Kelsen, Hans, Reine Rechtslehre (2. Aufl. 1960; Nachdruck Wien 2000).
Kelsen, Hans, Was ist Gerechtigkeit? Nachwort von Robert Walter (Stuttgart 2000).
Nussbaum, Martha C.: Die Grenzen der Gerechtigkeit. Behinderung, Nationalität und Spezieszugehörigkeit. Aus dem Amerikanischen v. Robin Celikates u. Eva Engels (Berlin 2010).
Rawls, John: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Übers. v. Hermann Vetter (Frankfurt am Main: Suhrkamp 1975).
Sandel, Michael: Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun. Aus dem Amerikanischen v. Helmut Reuter (Berlin 2013).
Schmitt, Carl: Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien (3. Aufl. der Ausg. v. 1963. Berlin 1991.
Singer, Peter: Praktische Ethik. Aus dem Englischen v. Oscar Bischoff (3., rev. u. erw. Aufl. Stuttgart 2013).
Sophokles: Antigone. Griechisch-Deutsch. Übers. u. hg. v. Norbert Zink (Ditzingen 2017).